Aus einer Existenzbehauptung lässt sich mit Hilfe eines beliebigen Namens schließen. Wenn aus der Annahme, der behauptete Satz treffe auf ein völlig beliebig gewähltes Individuum zu, die gewünschte Konklusion folgt, so folgt sie auch aus der Existenzbehauptung selbst.
Eine Existenzbehauptung sagt aus, dass ein Satz3.13
auf mindestens
ein Individuum zutrifft. Sie verrät uns weder, wieviele solche Individuen
es gibt, noch, um welche Individuen es sich dabei handelt. Um aus der
Existenzbehauptung dennoch etwas schließen zu können, greifen wir willkürlich
eines der Individuen, auf die der Satz
zutrifft, heraus und benennen
es mit einem beliebigen Namen - ohne dabei festzulegen oder zu wissen,
um welches konkrete Individuum es sich handelt. Wenn es uns gelingt, aus
dieser vagen Aussage ,,Der Satz
trifft auf das Individuum
zu,
ohne dass wir wissen, was
eigentlich ist`` irgendetwas zu schließen,
dann folgt es tatsächlich aus der Existenzbehauptung.
| (a) |
|
|||
| (b) |
|
,,typisches Disjunkt`` | ||
| (c) | ||||
| (d) |
ist eine Individuenvariable,
ein beliebiger Name und
ein Satz, in dem
vorkommt.
ist der Satz, der entsteht, wenn in
jedes Vorkommnis von
durch
ersetzt wird.
Bei einer Anwendung der Regel der Existenzquantor-Beseitigung werden folgende Zeilen zitiert:
Das Ergebnis einer Existenzquantor-Beseitigung hängt ab von:
| 1 | (1) |
|
(a) | |
| 2 | (2) | (b) | ||
| 2 | (3) | |||
| 2 | (4) | (c) | ||
| 1 | (5) |
|
So wie die Allquantor-Beseitigung mit der Und-Beseitigung
verwandt ist (vgl. Kapitel 3.6.11,
Seite
), besteht eine Beziehung zwischen der
Existenzquantor-Beseitigung und der Oder-Beseitigung.
Wenn es nur endlich viele Individuen gibt, dann ist eine Existenzaussage äquivalent zu einer Disjunktion.
Da die Disjunkte einer solchen Disjunktion dieselbe Form haben
(in obigem Beispiel ,,...ist ein Nilpferd``) und sich nur
darin unterscheiden, von welchem Individuum sie sprechen, wäre es Verschwendung
von Arbeitskraft, eine vollständige Oder-Beseitigung auszuführen. Bei der
Existenzquantor-Beseitigung wird die Oder-Beseitigung sozusagen nicht für
jedes Disjunkt ausgeführt, sondern nur ein einziges Mal für ein einziges
Disjunkt, das aber repräsentativ für alle anderen Disjunkte sein muss - das
typische Disjunkt. Um ein solches typisches Disjunkt zu erhalten,
verwendet man anstelle eines konkreten Namens (im obigen Beispiel
,
oder
) einen beliebigen Namen (z.B.
), der für ein völlig beliebiges
Individuum steht.
Dient die Existenzquantor-Beseitigung bei einem endlichen Individuenbereich mehr der Bequemlichkeit (lange Disjunktionen sind unhandlich zu schreiben und zu beseitigen), ist sie im allgemeinen Fall, in dem es unendlich viele Individuen gibt oder in dem die Individuenzahl nicht bekannt ist, unerläßlich: Eine unendlich lange Disjunktion oder eine Disjunktion mit einer unbekannten Zahl von Disjunkten lässt sich nicht aufschreiben und daher erst recht nicht beseitigen. Hier ist ein typisches Disjunkt, das alle Disjunkte der fiktiven unendlich langen Disjunktion vertritt, unerläßlich.