Die folgenden Produktionsregeln, die in beliebiger Reihenfolge und beliebig oft angewandt werden dürfen, erzeugen alle Sätze der hier behandelten logischen Sprache.
Jeder Prädikatbuchstabe, der von mindestens null Individuenkonstanten oder beliebigen Namen gefolgt wird, ist ein Satz.
Die Anzahl der Individuenkonstanten und beliebigen Namen, die einem Prädikatbuchstaben folgen, ist seine Stelligkeit (engl. arity). Prädikatbuchstaben müssen einheitlich verwendet werden, d.h. ein Prädikatbuchstabe darf nicht an unterschiedlichen Stellen verschiedene Stelligkeit haben.
Ein nullstelliger Prädikatbuchstabe wird auch Satzbuchstabe genannt. In der Aussagenlogik treten nur nullstellige Prädikatbuchstaben auf.
Wenn zwei beliebige Gebilde
und
3.6 Sätze sind,
dann sind folgende Gebilde ebenfalls Sätze:
Mit anderen Worten: Aus zwei bestehenden Sätzen kann man einen
neuen Satz erzeugen, indem man die beiden Sätze nebeneinanderschreibt,
zwischen die beiden eines der Zeichen ,,
``, ,,
`` und
,,
`` setzt und das so entstandene Gebilde in Klammern setzt.
Wenn ein beliebiges Gebilde
ein Satz ist, dann ist
ebenfalls ein Satz.
Mit anderen Worten: Aus einem bestehenden Satz kann man einen neuen
Satz erzeugen, indem man ihm das Zeichen ,,
`` voranstellt.
Wenn
eine Individuenkonstante,
eine Individuenvariable
und
ein Satz ist, in dem die Individuenkonstante
mindestens einmal vorkommt und in dem die Individuenvariable
nicht vorkommt, dann sind folgende Gebilde ebenfalls Sätze:
Dabei bedeutet
, dass im Satz
mindestens ein Vorkommnis der Individuenkonstante
durch die Individuenvariable
ersetzt wurde.
Etwas weniger exakt, aber bildlicher: Aus einem bestehenden Satz,
in dem eine bestimmte Individuenkonstante, z.B.
, vorkommt,
kann man einen neuen Satz erzeugen, indem man (a) die
Individuenkonstante an mindestens einer Stelle
durch eine Individuenvariable ersetzt, die in diesem Satz nicht
auftritt, und (b) eines der Zeichen ,,
`` und ,,
``,
gefolgt von der verwendeten Variable, vor den Satz schreibt.
Wenn
und
(nicht notwendigerweise unterschiedliche)
Individuenkonstanten oder beliebige Namen sind, dann ist
ein Satz.
Die von den vorangehenden Formationsregeln gebildeten Sätze liegen in
Peano-Russell-Notation3.8 oder Infix-Notation vor.
Diese Notation ist eine
Klammerschreibweise, weil
sie Mehrdeutigkeiten erlaubt, die nur mit Klammern aufgelöst werden können;
z.B. sieht man der Zeichenfolge
nicht an,
ob damit der Satz
oder der Satz
gemeint ist. Unsere Formationsregeln
entschärfen dieses Problem insoferne, als sie uns zwingen, stets Klammern
zu setzen. Dennoch werden längere Sätze in dieser Notation sehr rasch
unübersichtlich - mit diesem Problem setzen sich die
Kapitel 3.4 und 3.5
näher auseinander.
Es ist üblich, zur Verringerung der Schreibarbeit die äußersten Klammern
eines Satzes (und nur diese) wegzulassen, also z.B. statt
ganz einfach
zu schreiben.
Obwohl das strenggenommen eine Verletzung der Formationsregeln ist, wird
das auch in diesem Skriptum meist so gehandhabt.
In der Literatur kursieren zahlreiche weitere miteinander unverträgliche ,,Vereinfachungssysteme``, mit denen sich die Anzahl der Klammern weiter verringern lässt. Gerade für Anfänger haben sie die gegenteilige Wirkung, sodass ich davon absehe, näher auf eines von ihnen einzugehen. Sobald der Leser mit der logischen Sprache in der hier dargebotenen Form gut vertraut ist, wird es ihm sehr leicht fallen, sich in der weiterführenden Literatur mit anderen Konventionen vertraut zu machen.