Syntaxbäume (Ausdrucksbaum, engl.
parse tree)
sind eine einfache Methode, darzustellen, wie ein Satz mittels der
Formationsregeln des vorangehenden Kapitels erzeugt worden ist.
Die grundlegende Gestalt eines Baums ist in
Abbildung 3.1 (Seite
)
dargestellt. Die Kreise in einem Baum heißen
Knoten,
die Linien Kanten, Zweige oder Äste.
Der oberste Knoten ist die Wurzel
des Baums. Knoten, von denen keine Zweige weglaufen, werden
Blätter
oder Endknoten
genannt.
Zum Syntaxbaum wird ein Baum dadurch, dass er den Entstehungsweg eines
Satzes ausdrückt. Gehen wir vom Satzbuchstaben
aus; er ist gemäß
Regel 3.3 ein Satz. Abbildung 3.2
(Seite
) zeigt einen
Knoten, der diesen Satzbuchstaben wiedergibt.
Dieser Knoten ist zugleich der Baum für den (kurzen) Satz
.
Die
Formationsregel 3.3 erlaubt es uns, zwei bestehende
Sätze zu einem neuen zu verbinden, indem wir eines der zweistelligen
Konnektive zwischen die beiden schreiben. Wählen wir als Konnektiv das
Und und als zweiten Satz den Satzbuchstaben
, dann entsteht der
Satz
. Dieser Satz ist eine Konjunktion; in die Wurzel des
Syntaxbaums wird daher das Und geschrieben. Da es sich um ein zweistelliges
Konnektiv handelt, laufen von der Wurzel zwei Kanten weg. Die linke Kante
läuft zu einem Teilbaum hin, der das linke Konjunkt darstellt; da dieses
ein einfacher Satzbuchstabe ist, ist der linke Teilbaum ein einfacher Knoten.
Ebenso verhält es sich mit dem rechten Konjunkt. Den kompletten
Baum zeigt Abbildung 3.3 (Seite
).
Der Baum für den Satz
ist etwas umfangreicher.
Da auch dieser Satz eine Konjunktion ist, wird die Wurzel mit dem Und
beschriftet. Wie im vorangehenden Beispiel ist das linke Konjunkt ein
Satzbuchstabe, wird also durch einen einfachen Knoten dargestellt.
Das rechte Konjunkt ist allerdings ein zusammengesetzter Satz, nämlich
eine Disjunktion. Der rechte von der Wurzel ausgehende Knoten verläuft
daher zu einem mit dem Oder beschrifteten Knoten. Vom Oder-Knoten laufen
seinerseits zwei Kanten weg, weil auch das Oder ein zweistelliges Konnektiv
ist. Jede dieser beiden Kanten verläuft zu einem Teilbaum, der das linke
bzw. das rechte Disjunkt wiedergibt. Der vollständige Baum ist in
Abbildung 3.4 (Seite
) dargestellt.
Von einem Knoten für ein einstelliges Konnektiv läuft nur ein Zweig
weg, was für den Satz
in
Abbildung 3.5 (Seite
) gezeigt wird.
Bei Quantoren geht man gerne so vor, dass man die Individuenvariable,
die neben dem Quantor steht, unter die eine und den quantifizierten Satz
unter die andere Kante des Knotens schreibt. Satz
ist in Abbildung 3.6
(Seite
) dargestellt.
Bäume im Allgemeinen und Syntaxbäume im Besonderen spielen in der Informatik eine sehr große Rolle. Hat man sich erst einmal an sie gewöhnt, wird man sie als eine übersichtliche Darstellung von Aussagen schätzen, der man die Struktur eines Satzes sofort ansieht und die dennoch ohne Klammern auskommt.