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Russells Lösung: seine Kennzeichnungstheorie

Wenn man eine Kennzeichnung verwendet, dann behauptet man - so Russell - implizit, dass die in der Kennzeichnung ausgedrückte Eigenschaft auf genau ein Ding zutreffe. Mit anderen Worten, man benutzt nur dann eine Kennzeichnung, wenn man aussagen möchte, dass es genau ein Ding gibt, das die betroffene Eigenschaft hat.

Nach Russell sind Kennzeichnungen für sich alleine betrachtet bedeutungslos. Eine Kennzeichnung erhält erst dann einen Sinn, wenn sie im Zusammenhang eines Satzes auftritt. Der ganze Satz sagt dann aus, dass (a) genau ein Ding die in der Kennzeichnung ausgedrückte Eigenschaft hat und dass (b) das Prädikat, in dessen Leerstelle die Kennzeichnung zu stehen scheint, auf dieses Ding zutrifft.

Russell bringt als Beispiel die Kennzeichnung ,,der Sohn des So-und-so``. Wenn ich sage: ,,Der Sohn des So-und-so ist ein Philosoph``, dann habe ich damit ausgedrückt, dass (a) genau eine Person der Sohn des So-und-so ist und dass (b) diese Person ein Philosoph ist.

Da eine Kennzeichnung für sich alleine bedeutungslos ist, ist sie kein Eigenname. Kennzeichnungen können und dürfen daher nicht mit Individuenkonstanten übersetzt werden. In der Tat können Kennzeichnungen überhaupt nicht übersetzt werden (sie bedeuten ja nichts); übersetzen lassen sich nur die Sätze, in denen Kennzeichnungen vorkommen.

Die Kennzeichnungstheorie Russells löst alle angeführten Probleme, wie die folgenden Kapitel zeigen sollen.



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Christian Gottschall 2003-03-19